Glasfaser ist erste Wahl

Infrastruktur vom Feinsten

ROTHENBURG – Je mehr sich die Geschäftswelt digitalisiert, desto drängender wird die flächendeckende Versorgung mit leistungsfähigen Breitbandanschlüssen und der Aufbau von Hochleistungsnetzen. Der Einsatz unterschiedlicher Technologie lässt sich an lokale Gegebenheiten wie Topographie und Siedlungsstruktur anpassen. Rothenburg und Insingen haben sich entschlossen, mithilfe der Fördermöglichkeiten des Freistaates möglichst viele Gebäude mit der zukunftsweisenden Glasfasertechnologie zu erschließen.

Der Breitbandausbau in der Region kommt Schritt für Schritt voran: Schnelles Internet ist eine wichtige Voraussetzung für wirtschaftliches Wachstum. Fotos: Schäfer/privat

Der Breitbandausbau in der Region kommt Schritt für Schritt voran: Schnelles Internet ist eine wichtige Voraussetzung für wirtschaftliches Wachstum. Fotos: Schäfer/privat

Damit sind zukünftig alle vorstellbaren Bandbreiten übertragbar. Die Daten erreichen in Lichtgeschwindigkeit die Endkunden. Vor allem bietet ein Glasfaseranschluss die Möglichkeit, den Datenfluss stark zu erhöhen, also große Datenmengen mit höchster Geschwindigkeit zu versenden. Das bayerische Breitbandverfahren durchläuft jede Kommune separat. Dass Rothenburg und Insingen sich im Auswahlverfahren der Netzbetreiber für die in Ellwangen ansässige NetCom BW GmbH, ein Unternehmen des börsennotierte Energieversorgers EnBW, entschieden haben, ist zufällig.

In Rothenburg hatten sich insgesamt drei Netzbetreiber beworben: Kabel Deutschland, Telekom und NetCom BW. Das Angebot des baden-württembergischen Netzbetreibers, Geschäftsführer ist der aus Heiligenbronn stammende Diplom-Wirtschaftsingenieur Bernhard Palm, konnte durch das technische Konzept sowohl den Rothenburger Stadtrat als auch den Insinger Gemeinderat überzeugen. Bürgermeister Peter Köhnlechner informierte die Bürger bei einer Versammlung im Sportheim.

Bernhard Palm

Bernhard Palm

Im Förderverfahren werden nur Gebiete gefördert, die eine Übertragungsgeschwindigkeit von unter 30 Millionen Bits pro Sekunde aufweisen. Nicht zum Zuge kommen Gebiete, in denen ein Netzbetreiber Eigenausbaumaßnahmen in den nächsten drei Jahren angekündigt hat (zum Beispiel teilweise Stadtbereiche in Rothenburg und Detwang). Vom Förderverfahren profitieren die Ortsteile Herrnwinden, Bettenfeld, Burgstall, Reusch, Schnepfendorf, Leuzenbronn, Brundorf, Hemmendorf, Dürrenhof, Steinbach sowie teilweise das Gewerbegebiet Süd und Südost. Davon werden in acht Gebieten die Gebäude direkt mit Glasfaser angeschlossen.

Die Ortsteile Bettenfeld und Leuzenbronn werden mit VDSL versorgt und erreichen zukünftig Bandbreiten zwischen 30 und 50 Megabit. Diese beiden Gebiete sind auch schon für eine komplette Versorgung bis zum Teilnehmer vorbereitet. Das zweite Los umfasst zwei Gewerbegebiete im Südosten von Rothenburg. Diese werden komplett so erschlossen, dass dann Bandbreiten bis zu 1000 Megabit möglich sind, zukünftig sogar noch mehr, wie es heißt. Das schnelle Kabelnetzwerk erreicht maximale Datenraten im Netzwerk und stabile Verbindungen.

Das Ausbaugebiet in Insingen umfasst den Hauptort mit Industriegebiet sowie die Teilorte Lohr und Lohrbach. Eine Mischung aus Glasfaser-Hausanschlüsse bis ins Gebäude, (dabei werden Lichtwellenleiter bis in die Hauskeller verlegt), und Glasfaser bis zum nächsten Verteiler, dem Kabelverzweiger. Hier werden die Hauptkabel von Kupfer auf Glasfaser hochgerüstet beziehungsweise durch Glasfaserkabel ergänzt. Knapp vierhundert Haushalte können mit schnellem Internet versorgt werden. 75 Gebäude werden mit Glasfaser-Hausanschlüssen erschlossen und insgesamt drei neue Technikstandorte mit modernsten Gerätschaften wie Hybrid-DSLAM aufgebaut. Dazu werden acht Kilometer Trassen gebaut, rund 23 Kilometer Glasfaser neu verlegt.

Die Datenmengen steigen rasant: mehr Geräte, mehr Videostreams, Fernsehen über das Internet. Seit Jahren rufen die Kunden deutscher Provider Jahr für Jahr mehr Daten aus dem Netz ab. Dieses Wachs­tum wird sich erheblich beschleunigen. Online-Videotheken boomen, Fernsehsender erweitern ihre Digitalangebote. Streaming-Flatrates wie Watchever rollen den deutschen Markt mit Kampfpreisen auf, neue Spielkonsolen sollen Internetfernsehen noch leichter machen – und vielleicht kommt der Apple-Fernseher bald. Das ist eine gewaltige gesellschafts- und industriepolitische Herausforderung, vergleichbar der Elektromobilität oder der Energiewende.“

Mehr Bandbreite zieht zudem mehr Nutzung nach sich. Je niedriger die Bandbreite, desto weniger Inhalte rufen die Nutzer im Netz ab. Das durchschnittliche übertragene Volumen pro Anschlussart in Deutschland veranschaulicht das. Schmalband-Onliner rufen im Monat durchschnittlich ein Viertel des Datenvolumens von Breitband-Surfern ab. Für Internetfernsehen in guter Qualität braucht man eine Verbindung mit acht Mega­bit pro Sekunde. Etwa die Hälfte der 30 Millionen deutschen Haushalte mit Internetanschluss haben derzeit eine langsamere Anbindung. Beim HD-Fernsehen übers In­ternet ist die Hälfte der 30 Millionen Haushalte außen vor. Die Hälfte der DSL-Kunden hat einen Zugang mit weniger als sechs Mbit ein Fünftel der deutschen DSL-Nutzer surft im Schmalband mit weniger als zwei Mbit.

Das ist nicht zuletzt ein Wirtschaftsfaktor: Gerade in strukturschwachen Regionen lassen sich Unternehmen heute schon deshalb nicht nieder, weil sie keinen ausreichenden Internetzugang erwarten können. Auf mittlere Sicht ist V-DSL keine Lösung. Die Bandbreite ist durch das Kupferkabel beschränkt. Alle DSL-Techniken stoßen an die physikalischen Grenzen der Kupferdoppeladern. Ein Teil der Verbindung läuft über Glasfaser, doch auf der letzten Meile zum Haushalt liegt weiterhin Kupfer. Bei der Übertragung von Internetdaten via ADSL und VDSL, dabei wird das Telefonkabel aus Kupfer genutzt, hängt die Übertragungsbandbreite vor allem von der Länge der Kupferleitung ab. Je weiter der Kabelweg von der DSL-Vermittlungsstelle, die grauen Kästen am Straßenrand, desto niedriger die Bandbreite.

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Glasfaser ist auf mittlere und lange Sicht die überlegene Technik. 84 Prozent aller Breitband-Anschlüsse in Deutschland laufen über die alten Kupferleitungen, gut die Hälfte über die Deutsche Telekom. V-DSL dürfte die Marktposition der Telekom stärken. Denn der Konzern darf solche Anschlüsse exklusiv nutzen, muss die neue Technik nicht der Konkurrenz vermieten wie die bisherige DSL-Infrastruktur. Die Bundesnetzagentur hat diese Ausnahmeregelung gebilligt. Überspitzt formuliert: Die Telekom darf einen Teil ihres Kupfernetzes wieder monopolisieren.

Flächendeckender Glasfaserausbau bis ins Haus in Deutschland dürfte Milliarden kosten. 70 bis 80 Milliarden Euro wären nötig, schätzt das Wissenschaftliche Institut für Infrastruktur und Kommunikationsdiens­te. Investitionen lohnen sich umso eher, je mehr Menschen in einer Region wohnen und je mehr Hauptverteiler dort stehen. Am teuersten ist beim Glasfaserausbau das Aufgraben der Straßen. Eine deutlich günstigere Variante ist das Verfahren mit schmalen Gräben oder Schlitzen. sis

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