Ganz persönliche Erlebnisse

Rothenburger Hospizverein bildet Ehrenamtliche in der Sterbebegleitung aus

ROTHENBURG – Sie haben sich für ein besonderes Ehrenamt entschieden: 38 Hospizhelfer begleiten in Rothenburg Menschen bei schwerer Krankheit und dem nahenden Tod. Um diese wertvollen menschlichen Begegnungen in der schwersten Phase des Lebens auch in Zukunft allen Interessierten zu ermöglichen, sind zusätzliche Hospizhelfer nötig. Aus diesem Grund bietet der Hospizverein ab April erneut eine Hospizbegleiter-Schulung an.

„Sie sind wichtig, weil Sie eben Sie sind. Sie sind bis zum letzten Augenblick Ihres Lebens wichtig, und wir werden alles tun, damit Sie nicht nur in Frieden sterben, sondern auch bis zuletzt leben können.“ Diese Sätze stammen von Cicely Saunders. Die Ärztin aus England gilt neben Elisabeth Kübler-Ross als Begründerin der modernen Hospizbewegung. Das Zitat beschreibt, worum es bei der Begleitung von Schwerkranken und Sterbenden geht: Nicht dem Leben zwingend mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben.

Untereinander und bei zu Begleitenden: Füreinander da zu sein ist Leitmotiv der Hospizhelfer.   Fotos: Scheuenstuhl

Untereinander und bei zu Begleitenden: Füreinander da zu sein ist Leitmotiv der Hospizhelfer. Fotos: Scheuenstuhl

Auch in Rothenburg und dem Altlandkreis ist großer Bedarf an diesem wichtigen Ehrenamt, weiß Uschi Memhardt, Koordinatorin des hiesigen Hospizvereins. Zur Zeit sind es 38 Hospizhelfer, die Menschen bei schwerer Krankheit oder an ihrem Lebensende begleiten. 40 Personen nehmen dies momentan in Anspruch. Bislang konnten die engagierten Helfer jeder Anfrage nach Begleitung nachkommen, aber es wäre schlimm, irgendwann jemanden ablehnen zu müssen, sagt Uschi Memhardt. Deshalb ist der Hospizverein auf der Suche nach Frauen und Männer, die sich ab April in einem Lehrgang zum Hospizhelfer ausbilden lassen.

Der Umgang mit Sterbenden, deren Angehörigen und Trauernden erfordert die Bereitschaft, sich auf andere einzulassen. Es ist beileibe kein Ehrenamt, wie jedes andere. Bei vielen der engagierten Hospizler sind frühere, prägende Erfahrungen mit dem Tod der Stein des Anstoßes, sich im Hospizverein zu engagieren. Peter Baumüller etwa hat als junger Erwachsener in Berlin mitbekommen, wie eine verstorbene Person zwei Wochen lang in ihrer Wohnung lag, bevor sie jemand vermisste. „Ich wollte nie, dass jemand allein oder anonym sterben muss“, erklärt er seine Motivation, sich schließlich im vergangenen Jahr zum Hospizhelfer ausbilden zu lassen.

Willi Edelhäußer besuchte seine Mutter zehn Jahre lang in Pflegeheimen. Dabei bekam er mit, wie andere Bewohner niemanden hatten, der sich nach ihnen umsah. Diese Eindrücke ließen ihn nicht mehr los und so ist er seit 2002, also von Anfang an, beim Hospizverein dabei. Ein wenig anders war es bei Klemens Guder. Für den Lehrer, der in einem frommen Haus aufgewachsen ist, war das Schönste an seinem Beruf der „Umgang mit Menschen“. Nach seiner Pensionierung suchte er etwas, das ihm dieselbe Freude bereitete. Ein Zeitungsbericht brachte ihn auf die Arbeit als Hospizhelfer. „Es war genau die richtige Entscheidung“, sagt er heute nach drei Jahren im Einsatz.

Der menschliche Aspekt ist der Kern ihrer Arbeit als Hospizhelfer. „Es ist nicht möglich sich auf die konkrete Begleitung vorzubereiten“, erklärt Klemens Guder, „man muss sich überraschen lassen und einfach da sein.“ Das bedeutet, „sich selber zurückzunehmen, zu hören und zu spüren, was der Andere gerade braucht“, ergänzt Elisabeth Schuster, die seit 2002 Menschen begleitet. Die eigenen Bedürfnisse als Hospizhelfer seien in dem Moment unwichtig, denn „jeder stirbt seinen eigenen Tod“.

Hospizverein bietet Informationen über Sterbebegleitung.

Hospizverein bietet Informationen über Sterbebegleitung.

Jede Begleitung sei für sich ein „Erlebnis“ im Sinne einer Bereicherung für einen selbst, aber auch eine „Herausforderung“. In dieser Zeit findet „das Wesentliche“ statt, beschreibt Klemens Guder sein Empfinden. Das Menschliche stehe im Vordergrund. Diese Stunden führen ihm die „Banalität im Alltag“ umso deutlicher vor Augen. Manche Begleitungen gehen über Jahre. Dabei sind das Sterben und der Tod nicht die vorherrschenden Gesprächsthemen bei den Besuchen. Im Gegenteil: „Wir lachen unglaublich viel zusammen“, erklärt Elisabeth Schuster.

Gerade in dieser schweren Zeit ist es wichtig, dass Begleiter und zu Begleitender einen Draht zueinander finden. Deshalb ist es für beide Seiten jederzeit möglich, offen zu sagen, wenn es mal nicht passt, versichert die Koordinatorin, die weiß, dass eine Begleitung manchmal auch überfordern kann. Allerdings habe bislang „die Chemie immer gestimmt“. Für die Hospizhelfer ist es ein Rückhalt zu wissen, dass sie jederzeit eine Ansprechpartnerin in Uschi Memhardt haben. Und auch grundsätzlich wird darauf geachtet, den Ehrenamtlichen Beistand zu leisten. Denn eine „Begleitung mit Schutzschild“ macht beispielsweise für Klemens Guder keinen Sinn. Für ihn ist es ein „persönliches Erlebnis mit speziellen Personen“, das nahe geht.

So haben sie rund sechs Mal pro Jahr Gruppengespräche mit einer Supervisorin, einer ausgebildeten Psychologin, und auch untereinander, etwa bei Helfertreffen, ist der Erfahrungsaustausch jederzeit erwünscht. „In dieser Gruppe fühle ich mich am natürlichsten, weil wir dasselbe Ziel haben und sich keiner profilieren muss, sondern alle füreinander da sind“, sagt Klemens Guder.

Es ist auch nicht so, dass man als Hospizhelfer immer parat stehen muss. Sie werden nicht willkürlich nach dem Gusto des Vereins eingesetzt. Jeder begleitet wie er kann und wann er kann, erklärt Uschi Memhardt. Die Pausen werden von den Helfern bestimmt und werden auch vom Verein unterstützt: „Nur wer sich selbst stark genug fühlt, geht in die Begleitung.“ Deshalb darf auch mal ein „Nein“ auf eine Anfrage der Koordinatorin kommen.

Zur Arbeit des Hospizvereins gehört ebenso für die Angehörigen da zu sein, sie zu stützen, zu beruhigen und auch sie manchmal zu bestimmten Entscheidungen zu ermutigen. Teilweise entstehen auch Freundschaften mit den Angehörigen. Der Einsatz der Hospizhelfer endet also nicht mit dem Tod, sondern mündet in die Trauerbegleitung. Eine wichtige Stütze für die Ehrenamtlichen ist auch die eigene Familie. Um den Rücken für diesen mitunter herausfordernden Dienst frei zu haben, müssen die Angehörigen damit einverstanden sein, dass die Hospizhelfer einen Teil ihrer Zeit nicht ihnen, sondern anderen Menschen schenken.

Bei Elisabeth Schuster und Klemens Guder gab es von Seiten der Ehepartner und des Nachwuchses keine Einwände. Ganz im Gegenteil: Elisabeth Schusters Sohn hat während des Studiums selbst jemandem im Pflegeheim besucht. Und die Kinder von Klemens Guder sind „ganz begeistert“ sich mit ihm über dieses Thema austauschen zu können.

Als Hospizhelfer sollte man eine gesunde Selbsteinschätzung, Fachwissen und vor allem Einfühlsamkeit mitbringen. Alter, Beruf, Religion oder Geschlecht sagen nichts über die Fähigkeit aus, jemanden zu begleiten. So spielt bei der Hospizarbeit die Konfession keine Rolle. „Ein Bud­- dhist kann einen Christ begleiten und ein Christ einen Muslim, betont Uschi Memhardt. Aber auch junge Menschen sind als Begleiter wichtig, denn schwere Krankheiten treffen auch junge Menschen, die dann jemanden in ihrer Altersgruppe an ihrer Seite haben möchten.

Der Rothenburger Hospizverein würde sich auch freuen, wenn sich mehr Männer als Hospizhelfer engagieren. Bislang sind sie noch in der Unterzahl. Da nicht nur Menschen in Rothenburg begleitet werden, ist auch Bedarf an Hospizhelfern aus dem Altlandkreis, gerade auch aus dem Raum Schillingsfürst und Schnelldorf. Zwar ist die menschliche Komponente bei der Begleitung entscheidend, doch ohne fachliche Vorbereitung geht es nicht. Deshalb eignet man sich das nötige Wissen in einer Ausbildung an, die sich über gut ein dreiviertel Jahr erstreckt. Bei einem Einführungswochenende erhält man grundlegende Informationen über die Hospizarbeit, um seine Entscheidung für diesen Weg zu reflektieren.

Der Hauptteil der Ausbildung besteht aus 16 Abende (meist donnerstags im 14-tägigen Rhythmus) und vier ganze Samstage. Dabei werden Themen wie Macht und Ohnmacht in der Begleitung, palliative Krankheitsbilder, Sterbephasen, rechtliche Aspekte in der Begleitung, ethische Anschauungen, Selbstpflege, Wahrheit am Krankenbett sowie Trauer und Abschied durchgenommen. Neben den Verantwortlichen des Hospizvereins werden einige Inhalte auch von Dozenten aus der Region wie Ärzten, Rechtsanwälten, Psychologen, Pfarrer und Klinikseelsorger vermittelt. Außerdem kommen die Hospizschüler mit erfahrenen Begleitern zum Austausch zusammen. Ein weiterer Teil der Ausbildung ist ein Praktikum von mindestens 15 Stunden in einer sozialen Einrichtung.

Die Gesellschaft öffnet sich nach und nach für das Thema Sterbebegleitung. Damit steigt auch die Nachfrage nach diesem Dienst. Uschi Memhardts Funktion wird deshalb bald aufgewertet. Sie wird eine ganze Stelle als hauptamtliche Koordinatorin des Hospizvereins inne haben, die über die Krankenkasse finanziert ist. Sie ermutigt Menschen gerade in den schweren Zeiten von Krankheit und Sterben aufeinander zuzugehen und sich die Hand zu reichen: „Wir können dabei nichts falsch machen“, versucht sie Ängste zu nehmen. Falsch wäre es wegzulaufen. Uschi Memhardt ist für Fragen zur Hospizarbeit, Anfragen nach Begleitung und für Anmeldungen zur Hospizbegleiter-Schulung unter der Telefonnummer 0151/54809353 zu erreichen. mes

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