Leben gestalten

Verantwortung übernehmen und miteinander reden

ROTHENBURG – Ohne dass wir es  beabsichtigen, haben unsere Worte und unsere Art zu sprechen oft Verletzungen und Leid zur Folge – bei anderen und auch bei uns selbst. Dass Menschen einander verstehen, ist eigentlich ein Wunder, doch dem kann man etwas nachhelfen.

Gut besucht: Der Dekanats- und Landfrauentag im Wildbad fand auch heuer wieder großen Zuspruch. Fotos: Schäfer

Gut besucht: Der Dekanats- und Landfrauentag im Wildbad fand auch heuer wieder großen Zuspruch. Fotos: Schäfer

Wie gewaltfreie Kommunikation hilft, bewusster zuzuhören und unserem Gegenüber respektvolle Aufmerksamkeit zu schenken, erläuterte der Rothenburger Dr. Gottfried Orth, Professor für Evangelische Theologie und Religionspädagogik, als Gastreferent beim gestrigen Dekanats- und Landfrauentag im Wildbad. Mit Gebet, Segen und der Ermutigung, Jesus Christus die Führung unseres Lebens anzuvertrauen, stimmte Religionspädagogin Claudia Henrich-Eck aus Oest­heim auf den Tag ein. Sie warb dafür, mit den eigenen Gefühlen auf gesunde Art umzugehen.

Worte können Mauern sein – oder Fenster. Dieser Ausspruch ist der von Marshall B. Rosenberg entwickelten gewaltfreien Kommunikation entlehnt, die Prof. Dr. Gottfried Orth anschaulich erläuterte. Selbst bei aussichtslos erscheinenden Krisen trägt die Methode zur besseren Verständigung bei. Der entscheidende Punkt ist: das Gefühl von Wertschätzung zu vermitteln. In unserer Gesellschaft ist die Wertschätzung ein rares Gut geworden. Da herrscht viel eher der Ellbogen. Da werden Menschen auf ihre Fehler hingewiesen, bewertet, beurteilt oder gar abgeurteilt.

Wie kann ich Wertschätzung lernen? Voraussetzung ist, dass ich weiß, was ich selbst möchte, dass ich gut mit meinen Bedürfnissen und mit meinen Gefühlen verbunden bin und mich klar und ehrlich ausdrücken kann. Wertschätzende Kommunikation zielt darauf, dass wir unsere Bedürfnisse so erfüllen, dass wir anderen oder uns selbst keine Gewalt antun. Ob ein Bedürfnis erfüllt wurde, spüren wir mit unseren Gefühlen, erläuterte der Referent: „Jeder Mensch ist der Autor seiner Gefühle und niemand anders.“ Und: „Wenn ich wertschätzend mit mir selbst umgehe, erst dann kann ich auch mit anderen wertschätzend umgehen.“

Österliche Dekoration vom Weltladen.

Österliche Dekoration vom Weltladen.

Wenn wir wertschätzende Kommunikation als Haltung verstehen, geht es darum, liebevoll, freundschaftlich, respektvoll, wertschätzend eben mit mir selbst und anderen leben zu wollen und mein Leben wie das Zusammenleben mit anderen nicht durch statische Urteile zu vergiften.

Jeder kennt die Situation, wo man sich richtig über eine andere Person geärgert hat. Es gibt die Möglichkeit, dem Ärger Luft zu machen und den anderen anzuschnauzen. Oder die Situation objektiv zu beschreiben. Also ohne Wertung, ohne „immer“, „schon wieder“, „wie immer“, „nie“. Oft sind wir sauer, weil wir hineininterpretieren, dass wir dem anderen nicht wichtig sind.

Bei der Nachmittagsveranstaltung zeigte Lachtherapeutin Christina Schmutz aus dem oberpfälzischen Peiting auf, dass Lachen gesund und glücklich macht. Mit einem kurzen „Haha Hihi“ ist es jedoch nicht getan. Je länger und je öfter man lacht, desto intensiver sind die Effekte – und die sind erstaunlich heilsam. Gelotologie nennt sich das Fachgebiet, das die Auswirkungen des Lachens auf die körperliche und psychische Gesundheit untersucht. Wer die heilsame Wirkung des Lachens nutzen will, muss bewusst Reize suchen, die zum Lachen anregen. Die Referentin demonstrierte das „Milchpreislachen“ Das Lachen ist körperliche Schwerstarbeit. Über hundert Muskeln sind beteiligt – von der Gesichtsmuskulatur bis zur Atemmuskulatur. Dabei wird auch tiefer geatmet als sonst. Das wirkt sich auf den ganzen Körper aus. Die Körperzellen werden mit mehr Sauerstoff versorgt und die Bronchien durchlüftet, die Muskeln entspannt sowie Herz und Kreislauf angeregt.

Gleichzeitig unterstützt Lachen Heilungsprozesse im Körper. So bremst das Gehirn beim Lachen die Produktion von Stresshormonen wie Adrenalin und Kortison. Anspannung und Stress werden wie durch ein Ventil abgelassen. Und: Beim Lachen wird verstärkt Serotonin ausgeschüttet. Dies wird auch als „Glückshormon“ bezeichnet. Außerdem ist Lachen ein gutes Mittel für die Kommunikation. Fröhliches Begrüßungslachen öffnet Türen, Verlegenes Lachen lässt Fehler oder Unsicherheiten weniger schwer wiegen. Entschuldigendes Lachen hilft, Missstimmungen aus der Welt zu schaffen.

Viel zu lachen gab es auch beim Auftritt des redseligen „Hausmeisters“ Christoph Maul. Der Schillingsfürster hat einen Vorschlag zur Namensgebung der neuen Rothenburger Mehrzweckhalle, die frei von Parteien und ihrer Politik bleiben soll. Bei der Neutralitätspflicht bleibe als persönlichkeitsunabhängiges Konstrukt die „Frau-Hartl-Halle“ als Alternativlösung. Er beleuchtete die Krankenhaus-Situation („schlecht beinander“), lästerte über die Präsidentenwahl bei Bayern München („Der Hoeneß ist wieder da“) und in Amerika: „Es ist das erste Mal, dass ein Weißer in die Wohung eines Schwarzen einzieht.“

Die Dekanatsbeauftragte Erika Knobel und die stellvertretende Kreisbäuerin Christina Dümmler hatten den abwechslungsreichen Tag gemeinsam organisiert. Kreisbäuerin und Bezirksrätin Christine Reitelshöfer half unterstützend mit. Für die musikalische Note sorgte der Landfrauenchor sowie das gemeinsame Singen unter Anleitung von Gud­run Gross. Sie war als „rettender Engel“ kurzfristig eingesprungen für Andreas Gubo, dessen Stimme durch Heiserkeit wegblieb. Frauenbund, Gustav-Adolf-Frauengruppe und der Weltladen boten Handarbeiten und Produkte zum Verkauf an und gaben einen Einblick über die engagierte Arbeit. sis

2 Kommentare zu Leben gestalten

  1. Manfred Schmidt sagt:

    Liebe Claudia Henrich-Eck, die Psalmen stammen aus dem Alten Testament. Zu jener Zeit gab es Jesus bekanntlich noch nicht. Und:es sollte doch möglich sein, zu Gott zu beten, ohne gleich die Dreifaltigkeit anrufen zu müssen.

  2. Claudia Henrich-Eck sagt:

    In der Andacht ging es um Psalm 40 und wie Gott
    mit der Klage und der Not des verzweifelten Beters liebevoll
    und zugewandt umgeht.
    Jesus Christus kam überhaupt nicht vor.
    Ich würde mich über mehr Achtsamkeit in der Wahrnehmung
    sehr freuen.

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