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Stadtrat stellt Verfahrens-Weiche für Ansiedlung

ROTHENBURG – Einstimmig hat der Stadtrat in seiner Sondersitzung am Donnerstagabend im Rathaus den Billigungs- und Auslegungsbeschluss für die Bebauungsplan-Änderung zur Südosttangente gefasst. Damit kann das Verfahren nun in die nächste Runde gehen.

Das von der Wirtschafts-Förderabteilung der Stadt in Auftrag gegebene Luftbild zeigt die Lage des Gewerbegebiets (aufgehellte Fläche in der Mitte).

Das von der Wirtschafts-Förderabteilung der Stadt in Auftrag gegebene Luftbild zeigt die Lage des Gewerbegebiets (aufgehellte Fläche in der Mitte).

In einer ersten Schleife waren Behörden und Träger öffentlicher Belange sowie Bürger frühzeitig beteiligt worden. Im Mai lag die „1.Tektur des Bebauungsplans XXVII – Südosttangente“, wie sich der bauleitplanerische Rahmen für dieses Straßenvorhaben offiziell nennt, für zwei Wochen zur Einsicht und zur Stellungnahme aus.

Insgesamt 13 Behörden und sonstige Träger öffentlicher Belange sowie Bürger meldeten sich mit Bedenken und Anregungen zu Wort. Ein relativ übersichtliches Aufkommen angesichts der Tatsache, dass allein die Zahl der angefragten Ämter und öffentlichen Stellen bis hin zu umliegenden Kommunen über 30 liegt. Oft geht es zudem um Anmerkungen von allenfalls redaktioneller Bedeutung oder um Allgemeinplätze.

Strittiger Entlastungseffekt

In wieweit die geäußerte Skepsis in einem ganz speziellen Punkt größere Bedeutung haben könnte, wird sich noch zeigen müssen. Ein Anlieger der durch Gebsattel führenden Kreisstraße AN 33 bezweifelt, dass die kommende Verbindung zwischen Ansbacher Straße und Erlbacher Straße den ihr zugedachten Entlastungseffekt überhaupt erbringen kann. Das werde, wenn überhaupt, nur auf Rothenburg selbst beschränkt bleiben, aber das Umland habe nichts davon.

Ganz im Gegenteil: Ein Großteil des Verkehrs auch im Hinblick auf das geplante Gewerbegebiet werde über die Gemeinde Gebsattel geleitet, insbesondere über die Neusitzer Straße dort. Außerdem könnten durch die geplante Trasse der Südosttangente die lärmschutzrechtlichen Voraussetzungen nicht erfüllt werden. Rothenburg versuche mit einer Straße, deren Trassenführung zu diesem Gebiet mitten durch eine Ortschaft und ein Siedlungsgebiet führt, teilweise ein Gewerbegebiet zu erschließen.

Stadtbaumeister Michael Knappe dazu: Die Südosttangente sei Baustein eines Entlastungskonzeptes für Rothenburg und die benachbarten Ortschaften. Es werde zu einer deutlichen Entlastung der Ansbacher Straße und der Nördlinger Straße in der Tauberstadt kommen ohne Zunahme des Verkehrs auf der AN 33 von Gebsattel nach Neusitz. Die Erschließung des kommenden Gewerbegebiets werde über die A 7 und die Staatsstraße 2250 abgewickelt. Die Neusitzer Straße in Gebsattel werde in diesem Zusammenhang ausschließlich von der nahräumigen Erschließung tangiert. Mögliche Zuwächse, die sich daraus ergeben, könnten von der Gebsattler Durchgangsstraße Richtung Neusitz aufgenommen werden.

Umfahrung wäre Lösung

Eine Entlastung der Ortsdurchfahrt Gebsattel sei nur durch eine Umfahrung möglich. Das obliege aber der Planungshoheit der dortigen Gemeinde und des Staatlichen Bauamtes. Zum Thema Schall an der Südosttangente: Das Gutachten zeige, dass die nach der 16. BimSchV (Bundes-Immissionsschutzverordnung) zulässigen Grenzwerte an jeder einzelnen Stelle eingehalten werden.

Alt und neu (oben links): Tangenten-Trasse.

Alt und neu (oben links): Tangenten-Trasse.

Der Stadtbaumeister stützte sich in seinen Ausführungen auf die gutachterliche Stellungnahme der von der Stadt beauftragten PB Consult (Nürnberg). Das Büro hatte schon 2015 für Rothenburg eine Expertise zur Südost-Tagente und zum geplanten Gewerbegebiet im Hinblick auf die zu erwartenden Verkehrsverlagerungen verfasst. Das geschah noch für das damalige Bauleitplanverfahren. Aufgrund der Nachfrage des Investors Teknor Apex nach großen zusammenhängenden Flächen ist es inzwischen erforderlich geworden, besagte Tangente im nördlichen Bereich nach Westen zu schieben. Zur Änderung des Bebauungsplanes musste das derzeit laufende Verfahren in Gang gebracht werden.

Parallel dazu läuft das Bebauungsplan-Verfahren für das Industriegebiet an der Ansbacher Straße. Die beiden planungsrechtlichen Angelegenheiten hängen untrennbar zusammen. Für besagtes Ansiedlungsvorhaben sind sie beide Voraussetzung. Die Stadt Rothenburg hat verständlicherweise größtes Interesse daran, so schnell wie möglich zu Ergebnissen zu kommen.

Ihr geht es jetzt auch darum, im Einvernehmen mit dem Unternehmen die bisherigen Erklärungen und Verlautbarungen zur Ansiedlung vertraglich möglichst bis ins Detail auszutüfteln und Festlegungen zu treffen. In der jüngsten Sitzung befasste sich der Stadtrat nichtöffentlich mit diesem Thema. Schon im öffentlichen Teil hatte es eine Anfrage dazu gegeben.

Oberrechtsrat Michael Sommerkorn sagte gestern auf Nachfrage unserer Redaktion zum Part hinter verschlossenen Türen, es liefen die Gespräche zwischen der Stadt und dem ansiedlungsbereiten Unternehmen. Nähere Angaben wollte er mit Hinweis auf Vereinbarungen zwischen beiden Seiten und auf den relativ sensiblen Gegenstand nicht machen.

Noch in diesem Jahr erwarte die Stadt den Bauantrag des Unternehmens, betonte Stadtbaumeister Michael Knappe gestern gegenüber unserer Redaktion. Was heißt, dass nicht mehr allzu viel Zeit bleibt, um im dortigen Bereich bauleitplanerisch alle Weichen zu stellen. Wie berichtet, möchte Teknor Apex schon ab Frühjahr 2018 mit dem Bau beginnen und dann im Sommer 2019 die Produktion aufnehmen.

Mit zwei Kreisverkehren

Ab März 2018 ist der Bau der Kreisverkehre an der Ansbacher Straße und an der Erlbacher Straße für die Anbindung der Entlastungsstraße vorgesehen. Lediglich für zwei, drei Wochen werde in den Sommerferien dann eine Vollsperrung an der Ansbacher Straße erforderlich sein, kündigt der Stadtbaumeister an. Sonst werde dort auf diesem wichtigen Zugang in die Stadt für eine Umfahrung auf einer Behelfsstraße gesorgt sein. Gleich gründlich erneuern wird das Staatliche Bauamt in diesem Zug den längst fälligen Abschnitt zwischen der neuen Anbindung und der Rothenburger Ortseinfahrt.

Parallel zu den Kreisverkehren laufen die Arbeiten an der Infrastruktur der Südosttangente einschließlich der Verkabelung einer Hochspannungsleitung. Anfang 2019 soll die Entlastungsstraße dann fertig sein. Voraussichtliche Kosten: rund 6 Millionen Euro. Es wird damit gerechnet, dass das Vorhaben mit einer Quote zwischen 60 und 70 Prozent staatlich gefördert wird.

Neben eher unbedeutenden und redaktionellen Hinweisen gibt es im übrigen auch noch den einen oder anderen grundsätzlichen Punkt in den Bedenken und Anregungen zur Bebauungsplan-Tektur. Dass die Ansbacher Straße an die Südost-Tangente mit einem Kreisverkehr angeschlossen werde, müsse so nicht sein. Dafür wäre auch eine kostengünstigere Lösung möglich, gibt das Staatliche Bauamt mit anderen Worten zu verstehen.

Die Stadt übernimmt deshalb die gesamten Kosten für den Kreisverkehr und löst auch den kompletten Unterhalt ab. Außerdem sorgt sie nach Anregung der Straßenbaubehörde für eine erweiterte Bauverbotszone, um eine Erweiterung des Kreisverkehrs zum Anschluss der Nordtangente zu ermöglichen.

Schon nächste Woche soll im Bereich der Tangenten-Trasse mit Schürfungen und Grabungen begonnen werden. Das Landesamt für Denkmalpflege weist darauf hin, dass sich im Bereich der geplanten Baufläche von Neusitzer Seite her Ausläufer von Bodendenkmälern befinden könnten: die Reste einer Siedlung des Neolithikums und einer mittelalterlichen Wüstung. -ww-

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