Treffen ums blutige Amt

Scharfrichter-Tagung in Rothenburg – Kriminalmuseum zeigt Beil fürs Köpfen

ROTHENBURG – Nachfahren ehemaliger Scharfrichterfamilien, Historiker und Heimatkundler sind am Samstag in der Johanniterscheune des Kriminalmuseums zu ihrem jährlichen Treffen zusammengekommen. Nach Bayreuth, Ludwigsburg, Baufnang, Vianden, Haslach im Kinzigtal, Michelstadt im Odenwald, Ladenburg und Rottenburg am Neckar war diesmal Rothenburg Schauplatz der Scharfrichter-Tagung.

Es war die bisher neunte seit Beginn der Treffen 2005 und wurde geleitet von Helmut Belthle. Beim Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst in Baden-Württemberg ist er zuständig für Bauangelegenheiten, Organisation und IT-Angelegenheiten im Verwaltungsbereich. Er entstammt einer Scharfrich­terdynastie. Sein Vorfahr Johann Belthle (1649 bis 1725) war Henker in Weil der Stadt. Ihm folgte Sohn Ottmar (1671 bis 1738), der das blutige Amt in Leonberg ausübte.

Dessen Sohn Georg wiederum praktizierte in Tübingen und gab die Kunst schließlich an Georg Friedrich Belthle (1757 bis 1824) weiter. Für Helmut Belthle haben diese Tagungen neben dem fachlichen Austausch und der Rückschau auf dieses besondere Kapitel der Geschichte nicht zuletzt auch den Charakter von Familientreffen. Die Scharfrichter gehörten einer ,,unehrenhaften Zunft“ an. Sie entwickelten deshalb ihre eigene Ehre und heirateten oft untereinander. Nicht wenige, die zu den Treffen kommen, sind deshalb irgendwie miteinander verwandt, und sei es nur entfernt.

Samstag gegen 9.30 Uhr: Helmut Belthle eröffnet die Tagung und begrüßt die Teilnehmer.       Foto: Weber

Samstag gegen 9.30 Uhr: Helmut Belthle eröffnet die Tagung und begrüßt die Teilnehmer. Foto: Weber

In seiner Begrüßung kam Helmut Belthle in der Johanniterscheune mit einem Zitat aus Georg Scheurlins aus dem Jahr 1929 stammenden Werk „Der Scharfrichter von Rothenburg“ auf genau diesen schmalen Grat zwischen Ausgrenzung und einer Art besonderem Ethos zu sprechen: „Nicht jederzeit pflegt der Stand den Mann zu ehren, aber immer ehre der Mann seinen Stand.“ Es gebe nur wenige Orte, die so vortrefflich geeignet seien für eine Scharfrichtertagung wie Rothenburg mit seinem Kriminalmuseum und mit seiner Johanniterscheune, betonte Dr. Markus Hirte. Später führte der neue Leiter der Einrichtung durch die umfangreiche Sammlung des Hauses.

Grausame Folterinstrumente wie der Verhörtisch mit Fingerschraube oder das Handeisen mit Fingerschraube gehören ebenso zu den Exponaten wie im Bereich der sogenannten Leibes- und Lebensstrafen das Rad zum Vollzug der Todesstrafe durch Rädern und der Block mit dem Scharfrichterbeil zum Vollzug der Todesstrafe durch Enthaupten sowie Schandmasken und Halsgeigen bei den sogenannten Ehrenstrafen. Dr. Hazel Rosenstrauch war aus Berlin angereist, um aus ihrem Buch „Karl Huss (1761 bis 1838), der empfindsame Henker“ zu lesen. Klaus G. Kaufmann referierte bei der Tagung zum „Jenischen“ und zeigte dabei unter anderem auf, was von dieser angeblichen Diebes- und Gaunersprache alles in unseren alltäglichen Sprachgebrauch übergegangen ist.

Ausführlich und detailliert mit der Strafgerichtsbarkeit und dem Amt des Scharfrichters in Rothenburg zwischen 1400 und 1800 setzte sich in seinem Referat Helmut Belthle auseinander. Auch stellte er bei der Tagung alte und neue Literatur zum Thema Scharfrichter vor. Neben der Führung durchs Kriminalmuseum mit Dr. Markus Hirte stand auch eine Stadtführung mit Christine Fuhrmann auf dem Programm. Zum Mittagessen waren es für die Tagungsteilnehmer nur ein paar Schritte. Getafelt wurde in der „Glocke“. Zum gemütlichen Beisammensein traf sich die Runde nach den Vorträgen und Besichtigungen im „Tilman Riemenschneider“. -ww-

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