Ein „wahres Schmuckstück“

Stadt übergibt mit Festakt den Campus Rothenburg an die Hochschule Ansbach

ROTHENBURG – „Es ist ein guter Tag für Rothenburg und die Region“, erklärte gestern Oberbürgermeister Walter Hartl anlässlich der Eröffnungsfeier des Campus Rothenburg der Hochschule Ansbach. Über 130 geladene Gäste nahmen an dem Festakt teil und überzeugten sich mit eigenen Augen, wie innerhalb eines guten Jahres und mit 4,2 Millionen Euro die alterwürdige Luitpoldschule zum modernen Hochschul-Campus umgebaut wurde.

Oberbürgermeister Hartl übergibt den symbolischen Goldenen Schlüssel für den Campus an Hochschulpräsidentin Dr. Ambrosius (re.) im Beisein von Staatministerin Dr. Kiechle.

Neben einer Reihe von Landtagsabgeordneten sowie Vertretern von Stadt, Hochschule, Politik, Wirtschaft und der am Bau beteiligten Handwerksbetriebe sowie Ministerialrätin Dr. Elisabeth Geuß, ließ es sich auch die Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, Prof. Dr. Marion Kiechle (CSU), nicht nehmen, – trotz anschließender Verpflichtungen in Berlin – zumindest für einen kurzen Abstecher vorbeizuschauen.

Der Campus runde die örtliche „Bildungsinfrastruktur hervorragend ab“, so das Stadtoberhaupt in seiner Ansprache. In seinen Augen stelle es eines der „wichtigsten Zukunftsprojekte“ dar, weil es die Möglichkeit eröffne, „junge und hochqualifizierte Menschen mit dieser Region in Kontakt“ zu bringen. Ohne die Unterstützung von vielen Seiten wäre dieser Idee, die Walter Hartl vor sechs Jahren angestoßen hatte, „kein Erfolg beschieden“ gewesen.
Dass man nun den Campus einweihen und an die Hochschule Ansbach übergeben kann, sei das Ergebnis „einer breit gefächerten Zusammenarbeit“. Hierfür gelte es den Unterstützern und Förderern Dank zu sagen. Darin inbegriffen auch Hochschulpräsidentin Dr. Ute Ambrosius, die die Zukunftsfähigkeit des Projekts erkannte und sich dafür stark gemacht hat.
Wasser in den Wein gießen  
Im Grunde sei es eine „klassische Win-Win-Situation“, findet Walter Hartl. Durch die Hochschule bringe man junge Leute hierher, die die Stadt und das Umland bereichern. Die Hochschule Ansbach profitiere ihrerseits vom Bekanntheitsgrad der Stadt in der ganzen Welt. Bei aller Freude über diesen Tag musste das Stadtoberhaupt abschließend doch noch „etwas Wasser in den Wein gießen“. In Richtung der Ministerin betonte er, dass es nicht einfach gewesen war, die Zusage der Staatsregierung für den Campus zu erhalten.
So forderte man in München von der Stadt, die Räumlichkeiten für fünf Jahre kostenlos zur Verfügung zu stellen und für denselben Zeitraum eine Stiftungsprofessur, die pro Jahr etwa mit 115000 Euro zu Buche schlägt, zu finanzieren. Die Stadt und mehr als zwei Dutzend Unternehmen aus der Region sowie eine Reihe von Umlandsgemeinden haben zusammengelegt, um eine Professur, die zum Sommersemester beginnt, zu stiften. Für die Sanierung mussten insgesamt 4,2 Millionen Euro aufgebracht werden. Die jährlichen Betriebskosten belaufen sich auf zirka 100000 Euro.
„Das ist viel Geld für eine arme Stadt“, fasste Walter Hartl zusammen. Für ihn sehe Gleichbehandlung zwischen Stadt und Land, von der in der Politik oft gesprochen wird, anders aus. Doch dies sei ein Tag, um sich zu freuen, lenkte er den Fokus wieder auf die Übergabe des Campus  an die Hochschule, der sich auf „dem neuesten Stand befindet“.
Und wohl nicht nur Dr. Ute Ambrosius empfindet das rundum sanierte Gebäude als „wahres Schmuckstück“. „Historisch und doch modern; einladend, atmosphärisch und doch funktional“, beschreibt sie die Bildungseinrichtung, die ein „ganz neues Gefühl von Lehren und Lernen“ vermittelt. Nun gelte es, das Gebäude mit Leben zu füllen. Es brauche Menschen, die die Idee des Studiengangs formen und in die Tat umsetzen.

Prof. Dr. Carolin Durst erklärt beim Rundgang durch das Gebäude, wie die moderne Hochschullehre im 21. Jahrhundert aussieht.

In diesem Zusammenhang dankte sie dem „unermüdlichen“ Team Rothenburg der Hochschule Ansbach. Dass der Studiengang, der auf die Bedürfnisse Rothenburgs zugeschnitten ist, „äußerst attraktiv“ ist, zeigt sich daran, dass man vom ersten Tag an einen „hohen Zustrom an Studierenden“ verzeichnen konnte. Aufgrund des Andrangs musste man heuer sogar einen Numerus Clausus erlassen. Man werde feststellen, dass die Anschubfinanzierung „sehr gut angelegt“ ist und „nachhaltig verankert werden muss“, ist die Hochschulpräsidentin überzeugt.

Entwicklung geht weiter
Mit Dr. Carolin Durst, die mit Start dieses Wintersemesters digitales Marketing am Campus unterrichtet, gehe die Entwicklung auch schon weiter. In Rothenburg nehme man jetzt eine „wichtige Pionierrolle“ bei der Einführung von digitalen Lehr- und Lernangeboten ein. Dr. Ute Ambrosius rief alle Beteiligten dazu auf, weiterhin daran mitzuarbeiten, aus dem Campus einen „Leuchtturm“ zu machen, dessen Strahlkraft sich „über die Region hinaus entfaltet“.
Staatsministerin Dr. Marion Kiechle bezeichnete den Umbau der einstigen Grundschule zum Campus für kommende Generationen als „gelebte Verantwortung und Innovation“. Mit dem „internationalen Campus“ in Rothenburg – zum Sommersemester waren Studierende aus elf verschiedenen Nationen im Studiengang „Interkulturelles Management“ eingeschrieben – erfülle man aufs Bes­te den Anspruch „in der Region verwurzelt, in der Welt zuhause“.
Die Mischung macht’s
Den Fachkräften von morgen biete die Hochschule Ansbach eine Ausbildung auf Top-Niveau. Es werde Fachwissen ebenso vermittelt wie interkulturelle Kompetenzen und „Soft Skills“. In der Mischung von Kompetenzen und Ansichten liege eine „enorme Stärke“, so die Ministerin, aus der sich eine „kraftvolle Dynamik“ entwickeln könne, die den „Grundstein für Innovation“ lege.
In diesem Sinne spricht das Rothenburger Studienangebot auch ausländische Bewerber an. „Wer das moderne, weltoffene Bayern sehen will, muss zu Ihnen nach Rothenburg kommen“, ist Dr. Marion Kiechle deshalb überzeugt. Modernität bedeutet aber auch angemessen auf eine immer komplexere und vielschichtigere Arbeitswelt zu reagieren. Mit ihren Teilzeit- und berufsbegleitenden Studienangeboten trage die Hochschule Ansbach hierzu bei.
Mit ihrer praxisorientierten Ausbildung kämen die Absolventen bei Arbeitgebern besonders gut an, so die Ministerin. Sie starten sowohl nach dem Bachelor- als auch dem Masterabschluss im Durchschnitt schneller und mit höheren Einstiegsgehältern ins Berufsleben als Universitätsabsolventen. Zudem befinden sie sich, laut Dr. Kiechle, häufiger in unbefristeten Arbeitsverhältnissen.

Offizieller Teil: Die über 130 geladenen Gäste wohnen den Grußreden im Festzelt bei. Fotos: Schäfer

Die bayerischen Hochschulen „konkurrieren um die besten Köpfe bei Studierenden und Wissenschaftlern“. Man müsse daher die Hochschulen „fit für die Zukunft“ machen.  2018 investierte der Freistaat deshalb bereits 5,3 Milliarden in seine Hochschulen. „Ein starkes Bekenntnis zu Wissenschaft und Forschung“, findet die Ministerin.

„Das Ergebnis ist absolut toll geworden“, sagt Dr. Dominik Kögel, Wissenschaftlicher Leiter des Studienzentrums Rothenburg, über seine neue Wirkungsstätte. Dank seines fachlichen Hintergrunds weiß er, dass Innovationen nicht wie Schnee vom Himmel fallen. Man müsse kein Innovationsökonom sein, erklärt er, um beim Gang durch Rothenburgs Gassen zu sehen, dass an der Stadt „mehrere hundert Jahre Innovation vorbeigegangen“ sind.
Das Stichwort „Zuganbindung“ rief in diesem Zusammenhang bei vielen Gästen im Festzelt ein sichtbares Schmunzeln hervor. Doch mit der Entscheidung für den Campus hätten die Väter und Mütter der Stadt „strategischen Weitblick bewiesen“. Rothenburg sei nun an die „globalen Daten- und Wissensströme“ angebunden.
Ein Blechbläserquartett vom Stadt- und Jugendblasorchester unter der Leitung von Jan-Peter Scheurer umrahmte den Festakt mit Beethovens „Die Himmel rühmen des ewigen Ehre“, einem böhmischen Lied von Smetana sowie dem Hochzeitsmarsch von August Södermann.
Die Übergabe des Campus an die Hochschule Ansbach wurde mit der Übergabe eines symbolischen Goldenen Schlüssels zelebriert sowie mit dem Durchschneiden eines Bandes. Die Bewirtung der geladenen Gäste übernahm die Gastronomenfamilie Wörle. An den offiziellen Teil schloss sich ein „Nachmittag der offenen Tür“ mit buntem Programm an (wir berichten noch). mes

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