Fürs Jubiläum herausputzen

Hannelore Hochbauer legt Stadträten Sanierungswünsche für die Bibliothek dar

ROTHENBURG – Der Ball liegt wieder bei den Mitgliedern des Stadt­rats: Hannelore Hochbauer, Leiterin der Stadtbibliothek, hat beim jüngsten Ortstermin des Gremiums ihr Möglichstes getan, um deutlich zu machen, dass der Einrichtung eine Generalsanierung gut zu Gesicht stehen würde und auch dringend notwendig ist. Nun ist es an den Volksvertretern, die dafür nötigen Mittel in den Haushalt einzustellen.

Bibliotheksleiterin Hannelore Hochbauer informiert über die Situation der Einrichtung. Fotos: Scheuenstuhl

Bislang finden sich im Planansatz des nächsten städtischen Budgets schon einmal 10000 Euro für die Bücherei, sozusagen als Zeichen des guten Willens. Damit ist aber der langen Liste an nötigen Maßnahmen zur Sanierung der Einrichtung nicht beizukommen. Zwar sind die Zeiten nun bald vorbei, in denen der Bereich für Ausleihe und Rückgabe provisorisch aus zwei aneinander geschobenen Schreibtischen bestand. Doch es gibt viele weitere Ecken, an denen Hand angelegt werden muss.

Bibliotheken entwickeln sich zu sogenannten „Dritten Orten“, an denen sich Menschen neben Wohnung, Arbeit und Schule bevorzugt aufhalten, sagt Hannelore Hochbauer. Und somit zog es auch in diesem heißen Sommer viele Bücherwürmer in die Einrichtung. Die Besucherzahlen blieben trotz der Temperaturen „nahezu unverändert“, freut sich die Leiterin. Gründe dafür sind die relevanten inhaltlichen Angebote mit einem qualitätsgeprüften Medienbestand und einem vielfältigen Veranstaltungsprogramm, mit denen das Team um Hannelore Hochbauer aufwartet.
Mit 102 großen und kleineren Veranstaltungen für Kinder, Familien und Erwachsene allein in diesem Jahr, zeigt man sich als „attraktive Einrichtung für Bildung, Freizeit und Unterhaltung, die niederschwellig und kommerzfrei für alle da ist“. Die „inneren Werte“ der Stadtbücherei sind also auf der Höhe der Zeit. Jetzt müsste die Umgebung damit endlich Schritt halten.

Verwaltung und Stadträte sind noch gut zu Fuß – für einige (ältere) Besucher ist der Romanbereich im oberen Stockwerk hingegen nur schwerlich über die Treppe zu erreichen.

Denn: „Die Attraktivität des öffentlichen Raumes Stadtbücherei hängt nicht nur von einem qualitätsvollen Medienangebot und vielfältigen Veranstaltungen ab, auch die Aufenthaltsqualität ist ein wichtiges Stichwort in diesem Zusammenhang“, klärte Hannelore Hochbauer die Ratsmitglieder auf. Doch diese ist deutlich eingeschränkt wenn im hinteren Bereich des Erdgeschosses kein Tisch zur Verfügung steht, um an Ort und Stelle die vorhandenen Spiele auszuprobieren. Oder wenn sich in die kleine Nische im Obergeschoss mehr als 20 Kinder bei einer Veranstaltung quetschen müssen.

Hannelore Hochbauer könnte ein Ereignis in die Karten spielen, damit die Sanierung nicht doch auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben wird: 2021 blickt die Stadtbücherei auf 50 Jahre in diesen Räumlichkeiten zurück. Zeitgleich feiert man dann auch „50 Jahre Teppichboden“. Denn seit dem Umzug der Bücherei in die Klingengasse hat – wie unter anderem der Boden beweist – nie eine Gesamtrenovierung stattgefunden.
Charme der 70er Jahre
Demzufolge benötigen auch die Wände einen neuen, einheitlichen Anstrich und auch die Metallsäulen, von denen mittlerweile die Farbe abblättert. Außerdem besteht die Beleuchtung größtenteils aus verbrauchsintensiven Leuchtstoffröhren, die oft ausgetauscht werden müssen, so Hannelore Hochbauer, die auch gerne etwas am 70er Jahre-Charme der Toiletten ändern würde.
Hinzu kommen geänderte Anforderungen an eine Bibliothek, denen ebenso Rechnung getragen werden muss. So sind beispielsweise in vielen derartigen Einrichtungen Rückgabekästen für die Abgabe außerhalb der Öffnungszeiten und LeseCafés („die diesen Namen auch verdient haben“) mittlerweile Standard, weiß die Leiterin zu berichten.
Zumindest gibt es seit einiger Zeit einen barrierefreien Zugang über das Küblersgässchen. Doch wer nicht gut zu Fuß ist hat spätestens dann ein Problem, wenn er in den Romanbereich im Obergeschoss möchte. Dorthin führt bislang nur eine Treppe. Natürlich sind die Mitarbeiterinnen der Stadtbücherei dann zur Stelle und bringen dem Interessenten die gewünschten Bücher. Doch dies sollte nicht zur Dauerlösung werden.
Hannelore Hochbauer weiß, dass sich die Stadtbücherei auch auf anderen Gebieten weiterentwickeln muss. So sollen passende digitale Angebote   – auch in der Leseförderung – in den nächsten Jahren das Medienspektrum erweitern. Auch bei den Öffnungszeiten, die aus den 70er Jahren stammen sieht sie einen Bedarf an Korrekturen. Vor allem die Samstagsöffnung von 9 bis 12 Uhr sei „sicher nicht mehr zeitgemäß“, ist sie überzeugt. Weiter in den Nachmittag hinein wäre sinnvoll.
Leser-Umfrage in Planung
Seit drei Jahren gehen die Ausleihzahlen leicht zurück, was die Leiterin auch auf ein geändertes Mediennutzungsverhalten zurückführt. Für das Lesen bleibt auch wegen des Zeitfressers Smartphone und der Streaming-Dienste immer weniger Zeit. Was genau die kleinen und großen Leser von ihrer Stadtbücherei erwarten, möchte man deshalb mittels einer Leser-Umfrage klären, die möglichst im nächs­ten Jahr, spätestens aber 2020 stattfinden soll. mes

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