Geduld gefordert

Wartehäuschen an neuer Bushaltestelle lassen auf sich warten

ROTHENBURG – Nächster bedauerlicher Fall, wo Handwerker vereinbarte Fristen bei einem städtischen Projekt nicht halten und ihre Lieferung lange auf sich warten lässt. Diesmal ist die neue Bushaltestelle am Parkplatz vorm Spitaltor betroffen. Die noch vor Beginn dieses Schuljahres geplante Montage der drei dort vorgesehenen Wartehäuschen verzögert sich weiter.

Neuer Busbahnhof vorm Spitaltor mit Sonderbord und Blindenleitsystem bis auf weiteres nur mit Übergangscontainer. Fotos: Weber

Wie berichtet, ist wegen des bis in den Februar nicht verfügbaren Brückengeländers die Verkehrsfreigabe der fix und fertigen Tangente zwischen den Kreiseln Ansbacher Straße und Erlbacher Straße leider nicht möglich. Die mit der Produktion beauftragte Firma in Oberbayern kann den vereinbarten Produktions- und Montagetermin nicht halten.

Erst Ende Februar

Gleiches gilt auch bei den drei Buswartehäuschen, die an der neu gestalteten Haltestelle an der Ostseite des Spi­taltor-Parkplatzes (P1) schon seit über drei Monaten aufgestellt sein sollten. Von ihnen fehlt noch jede Spur. Grund: Die beauftragte Firma aus Teltow kann erst frühestens Ende Februar liefern.

Mit Schutzgitter: einer der beiden frisch gesetzten Jungbäume.

Was bedeutet, dass viele der dort auf ihren Bus wartenden Kinder und Jugendlichen über den Winter Wind und Wetter ungeschützt ausgesetzt sind. Um wenigstens einigen von ihnen ein Dach zu bieten, ist der Übergangs-Container wieder aufgestellt worden. Er war bereits zu Zeiten des zurückliegenden Haltestellen-Provisoriums in Position gebracht worden, um Schülern bei Sonne, Wind und Regen wenigstens etwas Rückzugsmöglichkeit zu bieten. Aber dort haben eben nur ganz wenige von ihnen Platz.

Rudolf Krämer vom Tiefbauressort des Stadtbauamts bedauert gegenüber unserer Redaktion ausdrücklich, keine bessere Lösung anbieten zu können. Er ist enttäuscht, dass die Schlosserfirma aus Brandenburg nicht zu ihrem Wort steht. Dass jetzt noch so viel Zeit vergehen soll, bis die Wartehäuschen installiert sein werden, hält er für unzumutbar. Aber was tun?

Rechtsdirektor Michael Sommerkorn sieht, wie auch beim Brückengeländer an der Tangente, nur begrenzte Möglichkeiten. Den Herstellern bzw. Lieferanten den entstandenen Schaden in Rechnung stellen? Wie wäre der in diesen beiden jüngsten Fällen zu beziffern? Konventionalstrafen vereinbaren für den Fall, dass die Firmen die vertraglich festgelegten Termine nicht halten? Angesichts der Situation bei der Ausschreibung solcher Arbeiten wohl kaum realisierbar. Denn bei verschärften Bedingungen würden sich sicher noch weniger Firmen für den betreffenden Auftrag interessieren.

Als der Stadtrat Ende Juli dieses Jahres über die Vergabe der Schlosserarbeiten für die Wartehäuschen entschied, hatten von den sieben angefragten Unternehmen gerade mal zwei ein Angebot abgegeben. Die Auftragsbücher der Handwerker sind übervoll und die Firmen können aussuchen, was für sie lukrativ ist und was nicht. Das ist dann auch bei der Bearbeitung der Aufträge von entscheidender Bedeutung.

Noch bis kurz vor Ende der Sommerferien schien alles gut zu laufen an der Baustelle vorm Spitaltor. Termingerecht wurden die Tiefbauarbeiten durch die Firma Hähnlein aus Feuchtwangen zu Ende gebracht. Die Haltestelle ist nach modernen Gesichtspunkten ausgestattet – mit Sonderbord für barrierefreies und behindertengerechtes Ein- und Aussteigen. Die mit diesen Bauteilen aus Beton versehenen Haltebuchten lassen sich außerdem für die Busse leichter anfahren.

Wermutstropfen

Auch ein Blindenleitsystem (auch Leitliniensystem genannt) ist bei der Anlage der Haltestelle verwirklicht worden. Blinde und hochgradig sehbehinderte Menschen können sich so in diesem Bereich mit Hilfe eines Pendel- bzw. Blindenstocks selbstständig orientieren und sicherer bewegen. Bei dem System handelt es sich um optisch und taktil kontrastierende Bodenindikatoren wie Rillen- und Noppenplatten bzw. -pflaster. Solche Einbauten gehören inzwischen in Rothenburg zum Standard.

Dass es nicht gelungen ist, das Projekt zum abgemachten Termin abzuschließen, ist umso bedauerlicher. Die ausbleibenden Wartehäuschen – Auftragsvolumen knapp 50000 Euro – sorgen für einen Wermutstropfen im sonst gelungenen Projekt.

Das Stadtbauamt muss enttäuscht zur Kenntnis nehmen, dass in diesem Jahr keine Chance mehr besteht, die bislang fehlenden Metallkonstruktionen geliefert zu bekommen. Aber zum Glück sind ja erst einmal Ferien. In den kommenden zwei Wochen werden zumindest Schüler nicht im Regen stehen oder Wind und Wetter ausgeliefert sein.

Frisch gezogene Geländer schirmen den Busbahnhof, wie er offiziell heißt, vom angrenzenden Geh- und Radweg ab. Zwei junge Bäume, die künftig Schatten spenden sollen, sind in vorbereitete und mit Metallgitter ausgestattete Pflanzscheiben gesetzt worden. Sie stehen für die Hoffnung, dass das Projekt zu Ende kommt, bevor sie das erste Grün tragen. -ww-

3 Kommentare zu Geduld gefordert

  1. Marc Schmidt sagt:

    Was die Straßeninfrastruktur betrifft kann ich nur voll und ganz zustimmen. Der Verfall der Straßen in Rothenburg ist beeindruckend ohne das irgendwelche Gegenmaßnahmen getroffen werden. Dabei müsste eigentlich ein Masterplan diesbezüglich erstellt werden um Kosten und Zeit der Baumaßnahmen abzuschätzen. Die Straßen im Alten Heckenacker sind bereits auf Niveau eines Entwicklungslandes und die Schweinsdorfer Straße ist mehr eine Art Feldweg. Sehr peinlich liebe Stadt.

  2. Ralf S. sagt:

    … wer wundert sich dann noch, das die Kinder mit dem Auto in die Schule gefahren werden. Volle Busse, zu spät kommende Busse, unfertige Busshaltestellen wo die Kinder im Regen stehen. Und dann das Verkehrchaos jeden Morgen um die Busshaltestelle. Gute Verkehrsplanung schaut anders aus.

    • Wagner,Herrngasse sagt:

      Was soll man von einer Stadt erwarten,in der Straßenbaumaßnahmen Monate bis Jahre dauern, in der die Freigabe einer Umgehungsstraße an einem fehlenden Brückengeländer scheitert, in der Altstadtgassen jahrelang bis zur Fertigstellung brauchen und mit der Schweinsdorfer Straße ein Verkehrsweg auf 3.Welt-Niveau besteht?

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