Ein feierliches Ade

Schöne Geste: offizielle Würdigung des Engagements

ROTHENBURG LAND – An diesem Sonntag wird Pfarrerin Beate Wirsching, Inhaberin der Pfarrstelle Windelsbach mit Preuntsfelden und Partnerschaftsbeauftragte für das evangelisch-lutherische Partner­de­ka­nat in Tansania feierlich verabschiedet. Im Rahmen eines Gottesdienstes zu Epiphanias (Erscheinung des Herrn) um 14 Uhr in der Mar­tinskirche in Windelsbach. Im Anschluss gibt es einen Stehempfang im Gemeindezentrum.

Wertschätzung auf Augenhöhe: Pfarrerin Beate Wirsching beim Besuch des Dorfes Nomeuti in der südlichen Massai-Steppe. Foto: pr

Den Abschiedsgottesdienst hält die Gemeindepfarrerin gemeinsam mit Dekan Hans-Gerhard Gross. Das anschließende gesellige Beisammensein bietet eine gute Gelegenheit, mitei­nander ins Gespräch zu kommen. Für das leibliche Wohl ist gesorgt. Den neuen Lebensabschnitt lässt Beate Wirsching erwartungsvoll auf sich zukommen, wie sie sagt. „Ich gehe davon aus, dass er neue spannende Aufgaben für mich bereit hält.“ Sie wird nicht in Windelsbach wohnen bleiben, sondern in einen Ort im weiteren Umkreis ziehen.

In ihrer Amtszeit als Partnerschaftsbeauftragte war Beate Wirsching insgesamt sechsmal in Tansania, zuletzt 2018, und hat vier Besuchsreisen von tansanischen Partnergruppen geplant, organisiert und betreut. Auf die Frage der Redaktion nach ihren eindrücklichsten Erlebnissen in Tansania meinte sie: „Auf den ersten Blick fallen mir gar keine einzelnen ein. Jede Reise war immer wieder neu eindrücklich, und dann immer wieder anders.“
Es sind bleibende Erinnerungen. Schließlich greift sie ein Jugendcamp  heraus, das vor Jahren mit einem guten Dutzend deutschen und ebenso vielen tansanischen Jugendlichen stattgefunden hat und von ihr durchgeführt wurde. Vormittags gab es einen gemeinsamen Beginn mit Frühstück und Andacht. Dann wurde zusammen gearbeitet auf dem Gelände des Lyamungo Retreat Centres. Desweiteren mussten Vorbereitungen für ein neues Gästehaus getroffen werden Bäume wurden gefällt, Löcher für die Fundamente gegraben. Es folgten Mittagessen, Volleyballspielen und dann ging es gemeinsam hinaus in die Gemeinden und Projekte des Dekanats.
An einem Sonntag wollte die Gruppe zusammen einen Gottesdienst in der Massai-Steppe besuchen. Anfangen sollte er um 10 Uhr. „Wir sind rechtzeitig mit dem Auto unterwegs, werden aber auf halber Strecke aufgehalten und zum Tee in einer anderen Gemeinde eingeladen“, erzählt Beate Wirsching. Es hieß, die Frauen der Gottesdienstgemeinde müssten noch die Kühe melken, sie seien noch nicht fertig. Zwei Stunden später fuhr die Gruppe weiter in die staubige Steppe hinein. Als sie sich dem Dorf näherten, wurden sie vor der unscheinbaren Kirche aus Lehmziegeln von ein paar Frauen mit Kindern empfangen, singend und hüpfend nach Massai-Art.
Inzwischen war es ein Uhr am Nachmittag. „Langsam machten wir uns fertig für den Gottesdienst und nahmen die Plätze ein.“ Weitere Frauen trafen ein. Alle wunderbar farbenfroh in rote und dunkelviolette Tücher gehüllt, mit bunten Perlenreifen geschmückt. Der Kirchenchor begann zu singen und dabei zu tanzen. Es erklangen ungewohnte, selbstkomponierte Melodien mit einer fast trance­artigen Sogwirkung.
Der Gottesdienst ging weiter. Währenddessen kamen immer mehr Menschen in die Kirche. Zuletzt, der Gottesdienst war schon eine Stunde im Gange, strömte ein Riesenpulk Männer in rotkarierten Shukas, die Wolltücher für Männer, gehüllt herein. Die Massai-Männer wiegten sich mit und hüpften im Rhythmus der Musik. Es waren alle keine Christen, hieß es, aber interessant zu verfolgen, was da passierte. Der Gottesdienst dauerte lang, wie alle Gottesdienste in Tansania. Am Ende war es nach drei Uhr. „Wir waren erschöpft, aber erfüllt und im Herzen berührt“.
Als besonders eindrücklich erlebte Beate Wirsching auch den Beginn des Waiseninternats Kimashuku im Jahr 2011. Mit den Pfarrerinnen Andrea Rößler, Barbara Müller und Conny Schuh besuchte sie das neueste Projekt von Dekan Aminirabi Swai, das ihm sehr am Herzen lag. Ein knappes Dutzend Waisen und Halbwaisen aus den ärmsten Familien oben am Berg hatte er ausgesucht, damit sie an einer bekannten Schule in der Ebene die Chance einer guten Ausbildung erhalten. Provisorisch waren die Kinder in einem Gemeindehaus untergebracht. Matten auf dem Fußboden, elf Zahnbürsten steckten in den Sprossen eines Fensters. Dünne, verschüchterte Kinder, die hier wohnten und essen durften und von zwei Frauen versorgt wurden.
„Erst trauten sie sich nicht an uns heran“, schildert Beate Wirsching die Situation. „Dann aber tauten sie auf, als wir Luftballons aufpusteten und ihnen zuspielten.“ Keine fünf Minuten später war „ein großes allgemeines Juchzen und Toben im Gange. Inzwischen ist das Internat Kimashuku gebaut. Die Kinder der ersten Stunde haben die Schule durchlaufen, sind intelligent, selbstbewusst und bereit für das Abitur. Die nächste Gruppe von Kleinen hat nur hier ihre Chance.
Nach jeder Reise hat Beate Wirsching gedacht: „Jetzt kenne ich mich gut aus. Jetzt habe ich viel gelernt und verstanden. Über das Denken der Menschen, die Kultur, die Art…“ Und bei der nächsten Reise dann die Erkenntnis: „Nein, bisher habe ich noch sehr wenig verstanden, jetzt sind mir ganz neue Dinge klargeworden.“ Sie räumt ein: „So war das jedes Mal“. Sie zog den Schluss daraus: „Zuhören lernen, und vor allem, sich selbst und die eigene deutsche Sichtweise nicht als Maßstab zu nehmen. Nicht schnell urteilen, Irritationen nicht hochhängen, Missverständnisse klären.“
Aber vor allem: „Dem anderen Wertschätzung auf Augenhöhe erweisen.“ Und: „Als Christen sind wir gleichberechtigte und von Gott gleich geliebte Kinder seiner Familie. Geschwister in der weltweiten Kirche, die sich gegenseitig unterstützen müssen.“ sis

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