Angeregter Gedankenaustausch

Gut besuchte Informationsveranstaltung des Aktionsbündnisses zum Volksbegehren

ROTHENBURG – Das Aktionsbündnis für das Volksbegehren Artenvielfalt „Rettet die Bienen“ in Rothenburg hatte zu einem Informationsabend zu diesem Thema mit dem Landtagsabgeordneten Martin Stümpfig, Sprecher für Klimaschutz und Energiepolitik von Bündnis 90/Die Grünen im Bayerischen Landtag und mit Imkerin Doris Schicker aus Muhr am See eingeladen.

Klärten über Gründe, Inhalte und Ziele des Volksbegehrens auf (v.l.) Imkerin Doris Schicker, Kreisrätin Gabi Müllender und Landtagsabgeordneter Martin Stümpfig. Fotos: privat

An diesem sehr gut besuchten Abend wurden die Gründe, Inhalte und Ziele für das Volksbegehren durch Martin Stümpfig erörtert, Doris Schicker begründete danach die Dringlichkeit dafür aus Sicht einer Imkerin. Gabi Müllender, Kreisrätin von Bündnis 90/Die Grünen, moderierte den Abend.

Die einheimische Flora und Fauna ging in den letzten 30 Jahren dramatisch zurück: 54 Prozent aller Bienenarten sind bedroht oder bereits ausgestorben, 75 Prozent aller Fluginsekten und 73 Prozent aller Tagfalter sind ausgestorben. 54 Prozent aller Vogelarten sind stark rückläufig, viele Arten werden auf der „Roten Liste“ geführt. Bekassine und Kiebitz sind stark gefährdet, Kornweihe und Brachpieper sind bereits ausgestorben.
Gründe für diese dramatische Entwicklung sind der Verlust von Lebensräumen durch die veränderte Bewirtschaftung der Agrarflächen wie zum Beispiel durch häufigen Wiesenschnitt, ein Verlust von Hecken und Saumstrukturen in der Landschaft,   ein zu hohes Einbringen von Stickstoff, Phosphor und Pestiziden – sogar im Wald – und der fortschreitende Klimawandel und Flächenfraß.
Vor 10 Jahren wurde die bayerische Biodiversitätsstrategie unter dem Motto „Natur.Vielfalt.Bayern“ verabschiedet. Trotz mancher Erfolge, etwa beim Weißstorch und der großen Hufeisennase, bleibt noch viel Handlungsbedarf. Die gesetzten Ziele werden nicht erreicht, das Vogel- und Insektensterben schreitet  unvermindert fort, die „Rote Liste“ bedrohter Tier- und Pflanzenarten wird länger. Aus diesen Gründen hat ein breit aufgestelltes Aktionsbündnis aus Parteien, Vereinen, Verbänden und Einzelpersonen das Volksbegehren zum Artenschutz ins Leben gerufen.
Ziele des Volksbegehrens ist ein Aufhalten des Artenrückgangs durch eine Verbesserung des Bayerischen Naturschutzgesetzes bei folgenden Punkten: die bayernweite Vernetzung von Biotopen, die Vermittlung des Naturschutzes in den Lehrplänen der Schulen, der Schutz der Staatswälder durch den Erhalt der biologischen Vielfalt, die Schaffung und der Erhalt von Blühwiesen (auf 10 Prozent des Grünlandes soll keine Mahd vor dem 15. Juni erfolgen, um genügend Nahrungsquellen für Insekten bereitzustellen und Rückzugsmöglichkeiten für andere Tiere zu schaffen).
Mehr Ökolandbau
Weitere wichtige Punkte: ein Verbot von Pestiziden in Naturschutzgebieten und gesetzlich geschützten Biotopen, mehr Ökolandbau und die Umstellung aller staatlichen Flächen auf Ökolandbau, verbesserter Schutz von Grünland, Grundwasserpegeln und strukturgebenden Hecken und Feldgehölzen in der  Landschaft, der Erhalt von Alleen, das Stoppen von Lichtverschmutzung, die Schaffung von Gewässerrandstreifen in einer Breite von mindestens 5 Meter.
Wünschenswert ist laut Martin Stümpfig die zukünftige Unterstützung auch kleinerer Höfe durch Fördermaßnahmen. Durch die derzeitige EU-Politik fließen die Fördergelder vorwiegend an die großen Höfe.

Gut besucht war die vom Aktionsbündnis durchgeführte Informationsveranstaltung.

Wie geht es weiter? Wenn das Volksbegehren erfolgreich ist und 10 Prozent der Wahlberechtigten in Bayern unterschrieben haben, kann die Staatsregierung das Gesetz entweder direkt annehmen oder sie erstellt einen Alternativvorschlag und lässt danach in einem Volksentscheid darüber abstimmen, an dem sich mindestens 10 Prozent der Stimmberechtigten beteiligen müssen, damit er wirksam ist.

Im Anschluss an den Vortrag von Martin Stümpfig ging Doris Schicker in ihrem Bericht „Mit Bienen blüht das Leben“ auf ihre bereits achtjährige Tätigkeit als Imkerin ein und begann mit dem Zitat von Albert Einstein: „Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben.“
Ein Drittel der landwirtschaftlichen Pflanzenproduktion hängt von den Bienen ab. Mit der Bestäubung durch Bienen sind die Erträge zum Beispiel bei Obst und Raps wesentlich höher und weisen eine bessere Qualität auf. In den letzten Jahrzehnten war eine starke Rückläufigkeit der Bienenvölker zu verzeichnen, auch die heimische Honigproduktion geht zurück. Und dann nannte die Imkerin Zahlen, die immer wieder aufhorchen lassen: für 20 Gramm Honig fliegt eine Biene 3000 Kilometer, für 500 Gramm Honig müssen von den Bienen 5 Millionen Blüten angeflogen und 150 000 Kilometer zurückgelegt werden, was dem 3,5 fachen Umfang der Erde entspricht.
Im gesammelten Blütenpollen an den Beinchen der Bienen und im Propolis, dem Kittharz, sind Rückstände von schädlichen Spritzmitteln gefunden worden, die Bienenvölker bedrohen. Die Imker unterstützen das Volksbegehren, um vor allem durch einen Biotopverbund, den Bestand von Gewässerrandstreifen und eine Mahd nach dem 15. Juni ausreichend naturnahe Blühflächen zu gewährleisten und auf diese Weise eine Überlebenschance für die Bienen zu schaffen.
Es schloss sich eine angeregte Diskussion und ein Gedankenaustausch an, bei dem viele Fachleute, auch aus dem landwirtschaftlichen Bereich, sowie Privatpersonen ihr Erfahrungswissen einbrachten, ihre Sorgen um die zukünftige Entwicklung aussprachen und Möglichkeiten des weiteren Vorgehens beim einzelnen Bürger und im Bereich kommunaler und landespolitischer Arbeit erörterten. cb

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