Geschichtsträchtiger Ort

Die Historie ist interessant und reicht lange zurück

OHRENBACH –  Geschichte und Geselligkeit verbindet die Familie Schwarz bei ihrem Hoffest am kommenden Samstag ab 10 Uhr auf dem historischen Anwesen „Am Landturm 1“.

Die Familie Schwarz in Ohrenbach vermarktet ihre besondere Adresse. Foto: Schäfer

Die besondere Adresse ist noch an einem detailliert gearbeiteten Wappenstein aus regionalem Schilfsandstein an der Hauswand erkennbar. Das Motiv des Rothenburger Wappens mit der zweitürmigen Burg ist im Laufe der Jahrhunderte bis zur Unkenntlichkeit verwittert. An den anderen Darstellungen macht sich der altersbedingte Substanzverlust ebenfalls bemerkbar.

Die Freie Reichsstadt Rothenburg hatte im Mittelalter großen Landbesitz, die sogenannte „Landwehr“. Allein 183 Ortschaften konnte Rothenburg unter der Herrschaft des berühmten Bürgermeisters Heinrich Toppler (1340-1408) erwerben. Ohrenbach wurde 1430 durch die Landhege in den Stadtbereich von Rothenburg einbezogen. Rothenburg gehörte seinerzeit ein fast 400 Qua-dratkilometer großes Gebiet, das es zu schützen galt.

1420 fasste der Rat der Stadt einen Beschluss: Eine 62 Kilometer lange und etwa zwanzig Meter breite Befestigungslinie rund um das Rothenburger Gebiet soll die 5000 Einwohner vor Plünderungen bewahren. Drei Wälle und zwei Gräben umschlossen Rothenburg ab 1480 fast durchgehend, gehegt und gepflegt wurden sie von den sogenannten Hegemeistern. Durchlass war an den neun neu errichteten Land-türmen möglich, so kann auch unkompliziert das wirtschaftlich so wichtige Zollgeschäft ausgeübt werden.

Größeren Kriegsheeren hielt die Landhege natürlich nicht stand. Aber die Wälle, Gräben und undurchdringlichen Hecken verzögerten das Eindringen von Angreifern, so dass die Bevölkerung mobilisiert werden konnte. Sie war bewaffnet und verteidigte das große Rothenburger Gebiet meist erfolgreich. Noch heute ist die gewaltige Anlage deutlich als Bodendenkmal erkennbar: Es stehen noch einige Landtürme und gerade die bewaldeten Gebiete zeugen von der künstlich vorgenommenen landschaftlichen Veränderung.

In Ohrenbach wurde der Landturm 1816 abgebrochen und seine Steine als Baumaterial beim Hausbau verwendet. Nur der Wappenstein konnte für die Nachwelt gerettet werden. Mit der Eingliederung der Reichsstadt Rothenburg in das Kurfürstentum Bayern 1803 und der Übergabe des Fürstentums Ansbach an dieses gleichnamige Königreich erlosch 1806 die politische Grenzeigenschaft der Landhege. Ortsunkundige irritiert in Ohrenbach das Hinweisschild auf den Landturm. Man sucht das Bauwerk in der Einöde vergeblich, weil es nicht mehr vorhanden ist. Man stößt auf ein größeres Anwesen mit zweigeschossigem Bauernhaus, das seit vier Generationen mit dem Familiennamen „Schwarz“ verbunden ist. Der heutige Eigentümer, Karl Schwarz, hat den Besitz von seinem Vater vererbt bekommen. Davor gehörte es seinem  Großvater.

Beim Hoffest für die interessierte Öffentlichkeit wird die von der Familie in Auftrag gegebene Nachbildung des Wappens vorgestellt, welches mit einer Informationstafel ergänzt wird. Zu Kaffee und Kuchen gibt es Geschichten und fundiertes Fachwissen zu dem geschichtsträchtigen Ort, unter anderem durch den Vorsitzenden von Alt-Rothenburg, Dr. Markus Naser.                           sis

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*