Ein Herz für Europa

Johanna Uekermann mit Roberto Mandosi bei Rothenburger Runde

ROTHENBURG – Was ist los mit der Politik und den Wählern? Wie steht es mit dem Interesse an Europa? Was ist los mit der SPD, wenn selbst Sympathiefiguren aus der ersten Reihe der Bundespartei wie Johanna Uekermann beim neuen Gesprächsformat Rothenburger Runde des SPD-Ortsverbands Rothenburg Stadt und Land nicht mehr Interessierte auf die Beine bringen?

Am Mikrofon: von rechts Johanna Uekermann, Christoph Rösch und Roberto Mandosi. Links die SPD-Fahne schwenkend: Matthias Koch, Urenkel des Rothenburger SPD-Urgesteins Kurt Emmerling. Foto: Weber

Jedenfalls war die Resonanz bei dieser Premiere im Forum-Kino einigermaßen enttäuschend. Die Genossen um Vorsitzenden  Christoph Rösch, die sich da ins Zeug gelegt hatten, um die Aufmerksamkeit mit einem kleinen Ausrufezeichen etwas in Richtung Europa-Wahl zu lenken, mussten schon ziemlich frustrationstolerant sein. Nur ein kleines Häuflein von Parteimitgliedern, Gewerkschaftlern  und sonstigen Interessierten war gekommen, um dabeizusein.

Frau aus der SPD-Bundesspitze  

Dabei wollte der Ortsverband Rothenburg Stadt und Land mit diesem Nachmittag an den Erfolg im Vorfeld der letzten Landtagswahl mit der Bayern-Vorsitzenden Natascha Kohnen im Theater am Burgtor anknüpfen. Und mit Johanna Uekermann (31) war eine SPD-Frau gekommen, um für ihre Partei Flagge zu zeigen, die aktuell nicht nur dem Parteivorstand der Bundes-SPD angehört, sondern auch dem Präsidium, also der geschäftsführenden Spitze.

Die frühere Bundesvorsitzende der Jusos (von 2013 bis 2017) und aktuelle Gewerkschaftssekretärin aus dem Niederbayerischen war von den hiesigen Genossen eingeladen worden, um als Gesprächspartnerin und Pendant des frisch in den Ortsvorstand der örtlichen SPD gewählten Roberto Mandosi  aus dem Migrationsbeirat die große europäische Politik und ihre Themen auf die lokale Ebene herunterzubrechen – mit Christoph Rösch als Moderator und Interviewer.

Wo das Herz der Partei sitzt in Sachen Europa

Schade, dass nicht mehr gekommen sind. Es wär für sie interessant geworden. Ganz abgesehen davon, dass der Nachmittag mit diesem ersten Test eines neuen Formats eine größere Zahl von Zuhörern verdient gehabt hätte. Die Talk-Runde im Foyer des Kinos durfte zum schönen und ohne viel Pathos daherkommenden Bekenntnis der Sozialdemokratie werden, wo bei ihr das Herz sitzt in Sachen Europa.

Mit Europa-Fähnchen vor der Nase, mit großem Europa-Banner vor den Füßen und als Blende um den Tisch der Gesprächsrunde gelingt der Frau aus der Bundesspitze und ihrem vis-a-vis in Zusammenwirken mit dem Moderator ein recht überzeugendes Plädoyer  dafür, dass möglichst jede(r) an den Wahlen zum Europäischen Parlament am 26. Mai teilnehmen sollte.

Der Urnengang sei diesmal schon allein deshalb besonders wichtig, weil es mehr denn je um eine Entscheidung gegen Rechts und den Rückfall in Nationalismen gehe, so Johanna Uekermann. Schlimm genug, dass die Europaidee, die sie selbst immer als ständig vorantreibende Kraft erwartet habe, mit Brexit und all den Despoten in verschiedenen Ländern  einen solchen Rückfall erleide.

Dabei gebe es so vieles an Europa, was es lohne, dafür einzutreten. Angefangen von der Frieden sichernden Dimension in den letzten 70 Jahren über das Daten-Roaming ohne Gebühren, die Reisefreiheit, die vielen Fördergelder für kommunale und regionale Projekte bis zur  freien Wahl des Arbeitsplatzes. Abseits jener Bürokratie-Auswüchse um Krümmung der Banane und Länge der Gurke, die sie zum unheimlichen Monster stilisiere.

Aus ihrer Sicht lautet eine der zentralen aktuellen Fragen: Kriegen wir alle dieses Europa sozialer hin, mit mehr Wohlstand für jede(n) und auch mit höheren Mindeststandards auf vielen Gebieten? Die Finanzkrise habe in betroffenen Ländern eine Sparpolitik nach sich gezogen und  eine Abwärtsspirale in Gang gesetzt statt gebotene Investitionen auszulösen in Jobs und Zukunftsthemen.

Als einer, der verschiedene Kulturen in sich trägt und Europäer im wahrsten Sinn ist, präsentierte sich Roberto Mandosi. Mit italienischem Vater, kroatischer Mutter und aufgewachsen in Deutschland fühle er auch europäisch. Der frühere Vorsitzende des Migrationsbeirats sagt, er könne aus eigener Erfahrung sehr genau nachvollziehen, mit welchen Problemen Menschen bei ihrer Integration zu kämpfen haben und baue ihnen gerne Brücken. Beruflich sei er viel in Süd- und Osteuropa unterwegs. Dort gebe es noch riesigen

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