Wiedersehen in alter Frische

Munteres Klassentreffen ehemaliger Rothenburger Oberrealschüler

ROTHENBURG – Klassentreffen in Rothenburg: Die ehemalige 6a der Oberrealschule am Bezoldweg (heute Berufsschule) ist auch nach über sechzig Jahren noch immer eine eingeschworene Gemeinschaft, die in schöner Regelmäßigkeit zusammenkommt. Es ging lebhaft fröhlich zu und es gab natürlich viel zu erzählen. 

Die gemeinsame Schulzeit verbindet sie auch noch nach über 60 Jahren. Foto: sis

Die ehemaligen Schülerinnen und Schüler sind heute  über 80 Jahre alt und haben interessante Lebenserfahrungen und Weltanschauungen zu einem lebensbejahenden Älterwerden. Sie haben nicht nur schöne Zeiten, sondern auch die Kriegsjahre erlebt, Schicksalsschläge verarbeiten müssen und trotzdem ihren Optimus behalten, den sie auch ausstrahlen. Wer es darauf anlegt, kann ein Leben lang dazu lernen und offen sein für Neues.

Ein guter Teil der „Ehemaligen“ befasst sich mit Malerei, Fotografie und textilen Kunstwerken, die beim Treffen in Rothenburg im Gartenhaus am Daßdorfweg  ausgestellt waren, wo ein Umtrunk mit Imbiss stattfand. Hannelies Erhard-Stellwag, sie entstammt dem Familienunternehmen Ehrhard Sport, hatte dazu eingeladen. Siegfried Weigelt    (80) steht noch täglich in seinem Uhren- und Schmuckgeschäft in der Galgengasse, solange es seine Gesundheit zulässt.

Am gestrigen Mittwochvormittag besuchte die Gruppe ihre ehemalige Schule. Die Lehrer wurden seinerzeit mit „Herr Professor“ beziehungsweise „Frau Professor“ angeredet, von der es eine im Kollegium gab. Am Nachmittag traf man sich bei Klassenkamerad Dieter Soldner zu Kaffee und Kuchen in Gebsattel.

Die ehemalige 6a der Oberrealschule bestand aus Schülern des Jahrgangs 1934 bis 1938. Die 49 Mädchen und Jungen dieser Klasse wurden 1947 an der Oberrealschule eingeschult. Eine Aufnahmeprüfung in Deutsch, Mathematik, Religion ging voraus. Es blieben nur 20 bis zur „Obersekundarreife“ und nur drei davon setzten ihre Schulkarriere in Rothenburg bis zum Abitur fort.  Die Mädchen strebten seinerzeit meist eine praktische Ausbildung  an und wechselten auf Frauenfachschulen. Durch den Krieg waren viele Familien zerrissen und es mangelte an vielem.

An Schultüten mit Leckereien zum Schulanfang kann sich Hannelies Erhard-Stellwag bei der Einschulung in die Luitpoldschule nicht erinnern. Mit etwa fünfzig Schülerinnen und Schülern saß sie in einer Klasse, streng geordnet in drei Reihen hintereinander. Diszi-plin war wichtg. Die Kinder wurden eingewiesen, wie man sich bei einem Fliegeralarm  zu verhalten hatte.

Wenn die Sirenen heulten, stürmten die Kinder aus dem Schulgebäude und rannten so schnell es ging nach Hause. Kamen Flieger, warfen sie sich schnell auf den Boden, wie sie es gelernt hatten. Der Schulweg von der Luitpoldschule bis fast zur AEG  in der Bensenstraße war für Hannelies Erhard-Stellwag ziemlich weit: „Ich hatte schreckliche Angst.“ Auch an Aufenthalte im nahen Bunker in der Nacht kann sie sich noch gut erinnern. Und dass auf dem AEG-Gelände eine Fliegerabwehrkanone stand.

Ihre Mutter musste die drei Kinder allein versorgen. Der Vater war zum Militär eingezogen. Von der Wohnung in der Bensenstraße aus sah das Mädchen den östlichen Teil der  Stadt nach der Bombardierung am 31. März 1945 lichterloh brennen. Nachmittags kam ihr Opa mit einem Leiterwagen zu Fuß. Er hatte nur ein paar Habseligkeiten aus dem Haus und Betrieb retten können – noch dazu unter Lebensgefahr, denn der obere Teil des Rödertors drohte einzustürzen.

Jeder der „Ehemaligen“ hat eine sehr persönliche Lebensgeschichte.  Sie wohnen noch in Rothenburg oder sind über ganz Deutschland bis in die Schweiz verstreut. Abwechselnd organisieren einzelne Klassenkameraden das Treffen, das anfangs in größeren Abständen und jetzt jedes Jahr stattfindet.                             sis

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