Das Miteinander pflegen

Tägliches Leben und schwierige Situationen gemeinsam meistern

ROTHENBURG – „Miteinander“ lautete das inoffizielle Motto des jüngsten Dekanats- und Landfrauentags in der Evangelischen Tagungsstätte Wildbad. Es stellten sich örtliche Sozialvereine vor, die Menschen auf verschiedene Weise im Alter begleiten und unterstützen. Außerdem referierte Landesbäuerin Anneliese Göller über die zahlreichen Bereiche, in denen das sprichwörtliche „an einem Strang ziehen“ im landwirtschaftlichen Betrieb und in der Dorfgemeinschaft wichtig ist.

Das Alt werden und der damit mögliche Verlust körperlicher und geistiger Kräfte ist für viele ein beklemmendes Thema. Es gibt sicherlich einiges worüber man stattdessen an einem schönen Frühlingstag sprechen kann. Doch es hilft auch nicht das Thema totzuschweigen. Denn die Schreckgespenster, die mit Alter, Krankheit und Tod verbunden sind, können durch das Ansprechen zumindest ein Stück weit vertrieben werden.

Das Thema „Älterwerden“ und Versorgung wurde von Vertreterinnen örtlicher Sozialvereine präsentiert.

Das Thema „Älterwerden“ und Versorgung wurde von Vertreterinnen örtlicher Sozialvereine präsentiert.

Eine große Angst ist es, im Alter alleine zu sein und seinen Alltag nicht mehr meistern zu können. Vorsitzende und Dienstleiterinnen der Wegwarte, des Diakonievereins und des Hospizvereins stellten deshalb ihre Arbeits- und Fürsorgebereiche vor. Die Wegwarte kümmert sich als Nachbarschaftshilfe vorwiegend im zwischenmenschlichen Bereich mit Hilfestellung und Begleitung um Hilfesuchende, erklärte Claudia Körber, Vorsitzende der Wegwarte.

Wenn es um die ambulante pflegerische Betreuung von älteren Menschen geht, ist der Diakonieverein der richtige Ansprechpartner. Nicht nur die medizinische Pflege, sondern auch die Beratung der Angehörigen ist in letzter Zeit immer wichtiger geworden, denn es gibt nicht nur die Angst vor dem eigenen Älterwerden, sondern auch die Angst, dass die Eltern oder Schwiegereltern alt werden und gepflegt werden müssen.

Das Altwerden ist eine Sache; der Tod eine ganz andere. Der Hospizverein „begleitet Sterbende und ihre Angehörigen auf ihrem individuellen Weg“. Die Würde des Sterbenden steht dabei im Mittelpunkt. Petra Underbrink beschreibt in ihrer Funktion als Vorsitzende des Vereins, dass man sich frühzeitig mit diesem Thema auseinandersetzen sollte. Es kann nämlich schnell passieren, dass die medizinische Hilfe nicht mehr anschlägt, aber es mag dann noch eine lange Zeit bis zum Ableben vergehen. Gerade im ländlichen Raum haben sich die traditionellen Strukturen verändert, so dass die jüngere Generation sich nicht mehr selbstverständlich um die Älteren kümmern kann. Pflegedienstleiterin Ruth Banna vom Diakonieverein geht es bei der ambulanten Pflege auch darum, Kapazitäten im häuslichen Umfeld zu aktivieren und beispielsweise Nachbarn des Pflegebedürftigen „mit ins Boot zu holen“.

Die äußerst ausgefallenen Hüte werden den Praxistest wohl nicht bestehen.        Fotos: Scheuenstuhl

Die äußerst ausgefallenen Hüte werden den Praxistest wohl nicht bestehen. Fotos: Scheuenstuhl

Erika Knobel, Dekanatsfrauenbeauftragte und Mitorganisatorin des Dekanats- und Landfrauentags beschreibt es als „eine Ehre jemanden in einer derartig intimen Lebenssituation begleiten zu dürfen“. Um für dieses Ehrenamt zu werben, hielt sie die Anwesenden an „engagiert zu sein“, denn „wenn man selbst in diese Situation kommt, möchte man auch, dass jemand für einen da ist.

Ein „Miteinander“ in schwierigen Zeiten ist besonders wichtig. Für Landesbäuerin Anneliese Göller ist dies auch im täglichen bäuerlichen Leben und der Dorfgemeinschaft nötig, um von einem „Ge-geneinander und Neben­einander zu einem Füreinander“ zu gelangen. In ihrem Referat mit dem Titel „Gemeinsam auf dem Weg“ unterstrich die Oberfränkin mit Requisiten aus ihrem Rucksack, welche Bedeutung es für das harmonische bäuerliche Familienleben und den Erfolg des landwirtschaftlichen Betriebs hat, dass man zueinander Vertrauen hat und füreinander einsteht.

Die Grußworte von Landrat Dr. Jürgen Ludwig sorgten für einen kleinen politischen Aschermittwoch im Theatersaal. Er äußerte sich zu der aktuellen Klinik-Debatte. Dabei kritisierte er die Bürgerinitiative Ansbacher Parteiloser (BAP), deren Aussagen er als „puren Populismus“ bezeichnet und die „das Vertrauen der Bürger in das Krankenhaus schädigen“. Bürgermeister Kurt Förster stimmte dem Landrat hierin uneingeschränkt zu.

An den Verkaufs- und Informationstischen des Eine-Welt-Ladens, der Gustav-Adolf-Frauengruppe und des Deutschen Evangelischen Frauenbundes konnten die rund 200 Teilnehmerinnen sofort Gutes tun oder sich über weitere Einbringungsmöglichkeiten informieren. Aufgelockert wurde die Veranstaltung mit den teilweise sehr ernsten Themen durch den fränkischen Mundartdichter Fritz Stiegler und den Landfrauenchor. Die als „etwas andere Hutmodenschau“ angekündigte Präsentation von Damenhutmode hielt was sie versprach.

Die Vorstellung der Designerstücke mit einem französischen Akzent durch die stellvertretende Kreisbäuerin von Erlangen-Höchstadt, Agnes Eger, gab Preis, dass man die überschwängliche Kreativität mit einem Augenzwinkern betrachten sollte. Denn selbst eine eingefleischte Milchbäuerin würde womöglich einen Hut mit Milchkartons nicht aufsetzen. mes

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