Starke Worte

Gedanken zum Frieden am Weltfrauentag

ROTHENBURG – In Zeiten, in denen Berichte über nationale und internationale Kriegshandlungen, Terroranschläge und provozierte Gewaltexzesse allgegenwärtig sind, setzten Frauen in Rothenburg am Internationalen Frauentag Zeichen für Frieden mit starken Worten, Musik und szenischen Bildern. Vor über 150 Gästen im vollen Saal der Jugendherberge.

Frauen verschiedener Nationen stellten das leckere Buffet zusammen.Fotos: Schäfer

Frauen verschiedener Nationen stellten das leckere Buffet zusammen. Fotos: Schäfer

Mit der Frauensolidarität ist es wie mit der Männersolidarität. Niemand kann für sich in Anspruch nehmen, die Interessen der Männer oder der Frauen zu vertreten, denn diese homogenen Gruppen gibt es als solche tatsächlich nicht. Biologie ist kein Konstrukt, die Annahme, dass aus biologischen oder kulturellen Gemeinsamkeiten eine Gruppenidentität begründet, schon. Wir teilen biologische und kulturelle Gemeinsamkeiten mit den verschiedensten Gruppen. Je nachdem, ob wir nach Geschlecht, Nationalität, ethnischer oder religiöser Zugehörigkeit gehen, gibt es andere Überschneidungen. Wer früh lernt, Verantwortung zu übernehmen, wird später ein wichtiges und verlässliches Mitglied einer demokratischen Gesellschaft sein können.

Ein Plädoyer für Menschenrecht und Völkerrecht statt Barbarei: „Die Welt ist groß genug für alle“, sagte Rafa Bakal, die mit ihrer Familie als verfolgte Christen aus dem Irak geflohen ist und in Rothenburg eine zweite Heimat gefunden hat. Auf einer grundlegenden Ebene seien alle Menschen Brüder und Schwestern. Die Zukunft brauche Menschlichkeit mehr denn je, forderte Rafa Bakal und meinte: „Wahrer Frieden beginnt immer im Kleinen, in uns selbst“.

Beate Zerkowski führte durch den Abend. Doris Schmitz nannte die deutschen Rüstungsexporte einen Skandal. Die Bundesrepublik ist einer der bedeutendsten Waffenlieferanten. Deutsche Waffen kommen nicht selten auf allen Seiten eines Krieges oder Bürgerkrieges zum Einsatz.

Szene „Frauen, verweigert euch“ – Plädoyer gegen den Krieg in der Komödie „Lysistrata“.

Szene „Frauen, verweigert euch“ – Plädoyer gegen den Krieg in der Komödie „Lysistrata“.

Mit einem Ausschnitt aus der griechischen Komödie „Lysistrata“ zeigten Birgit Schalk, Inge Seiferlein und Ismi Türkay auf, wie Frauen aus Athen und Sparta einen Plan entwickelten, um einen zwanzig Jahre dauernden Krieg zu beenden. Sie streikten und verweigerten sich ihren Männern so lange, bis sie Frieden schafften.

Über der kleinen Bühne im Saal der Jugendherberge hingen Zettel mit dem Begriff Frieden in fünfzehn verschiedenen Sprachen. Er hat in den verschiedenen Kulturen unterschiedliche Bedeutungen: Er steht für „Freundschaft“ für „lieben“, für „Frieden“ als Abwesenheit von Krieg oder für Vorstellungen von Gerechtigkeit und Harmonie.

Gabriela Schmidt-Schwänke und Hannelore Hochbauer ließen Kurt Tucholsky, Hermann Hesse, Bert Brecht, den Dalai Lama und den Schamanen Black Elk sprechen, um für Verständnis und Toleranz zu werben, dass Frieden in die Seelen der Menschen einzieht. Die eindringliche Botschaft: „Der Planet braucht Friedensstifter“.

Cornelia Kartak und Birgit Schalk erzielten mit Musik starke Wirkung, die die Verderbnis des Krieges und die Sehnsucht der Menschen nach Frieden zum Inhalt hat. Darunter „Ein bißchen Frieden“ von Nicole in abgewandelter Form „Ich wünsch’ mir Frieden“, das deutsche Anti-Kriegs-Lied „Sag mir wo die Blumen sind“ von Hildegard Knef oder von Leo Kowald („Herr Präsident, ich bin nicht Mensch geworden, um Menschen zu ermorden“). Mit einer Flötenspielgruppe der Privatmusiklehrerin Anette Pehl war auch Jugend in das ernste und heitere Programm eingebunden mit Melodien, Liedern und Tänzen verschiedener Nationen. Die Vielfalt der Kulturen zeigte sich beim liebevoll arrangierten Buffet. Handgemachte deutsche, fränkische, bayerische, griechische, italienische, arabische Spezialitäten herzhaft, würzig und süß, boten eine große Auswahl an Genüssen.

Der Frauentag war ein ausstrahlungskräftiges Zeichen für ein gutes Miteinander und eine erneut gelungene Kooperation mit Frauenbund, Stadtbücherei, Arbeitskreis „Ort der Vielfalt“ und den Rothenburger Stadträtinnen. Die Fraktionsvertreterinnen sprachen mit einer Stimme und zitierten den Holocoust-Überlebenden Elie Wiesel: „Frieden ist nicht Gottes Geschenk an seine Geschöpfe, Frieden ist unser Geschenk an einander.“ sis

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